17. April Ja, es kam ganz anders. Annette packte die Kamera aus, ich rief Ozzy an, um uns zu verabschieden. Warum wir denn nicht einen Tag länger in San Antonio bleiben wollen, fragte er, er würde uns gern die Umgebung von San Antonio zeigen, vor allem die von deutschen Einwanderern gegründeten Städte Boerne und Fredericksburg. Ich fragte, ob denn vielleicht die Möglichkeit bestünde, am Abend das NBA-Match zwischen den San Antonio Spurs und Los Angeles Lakers zu sehen. Das Spiel sei nahezu ausverkauft, er könne aber noch Karten besorgen. Das war der entscheidene Satz, der uns zum Bleiben veranlaßte! Wir wollten schon immer einmal ein NBA-Spiel live erleben. 10 min später holte uns Ozzy mit seinem Wagen direkt am RV ab. Es war high noon. Zuerst durch San Antonio auf der I 10, dann durch eine herrliche, leicht hügelige Landschaft, das Hill Country, durchweg bewaldet. Ab und zu tauchten die Dächer von versteckten Villen auf, 2 Mill.$ und mehr, meinte Ozzy. "Eßt ihr gerne Erdberen?" "Aber ja!" An einem verwitterten Schild "Orchard Farm" bog er in einen Feldweg ab, und nach ca. 2 Meilen erreichten wir die Farm. "Um diese Zeit Erdbeeren?" fragte ich. Und dann waren wir platt! Eine super Farm. Erdbeerreihen von der Größe mehrerer Fußballfelder, Pfirsich Plantagen, Brombeeren, frisch gepflanzte Tomatenstöcke usw.

Ein älterer Herr wies uns und mehrere andere Personen in die Technik des Erdbeerpflückens ein. Mit Eimer und Korb bewaffnet zogen wir durch die pieksauberen Reihen. Mit 6-7 Pfund kamen wir zurück und bezahlten 18$.
Weiter ging die Fahrt nach Fredericksburg. Deutsche Siedler, deutsche Gaststätten, deutsche Sauberkeit (im Vergleich zu texmex), einfach eine Stadt zum Wohlfühlen. Ozzy meinte, der Ort sei auch Wohnsitz vieler reicher Pensionäre. Dann ein kräftiger Imbiß in einer deutschen Bar, allerdings sprach keiner mehr Deutsch (3. oder 4. Generation). Weiter durch das Hill Country, bis wir vor San Antonio in die rush hour gerieten. Um 6 p.m. waren wir am RV-Platz zurück nach rund 200 km. "Was nun Ozzy?" "Zieht euch um, ich warte, dann gehts zum Basketball." "Brot und Spiele" hieß es bei den Römern. Heute heißt es: "Spiele, fressen und saufen", ich muß es leider so sagen. Wir erlebten ein unbeschreibliches Spektakel. Schon die Anfahrt zum AT&T Center war ein Erlebnis. 18 000 Zuschauer, und alle kommen mit dem Auto. Ein NBA-Spiel hat vier Viertel von jeweils 12 min mit einer längeren Pause nach dem zweiten Viertel. Also müßte das Ganze in einer guten Stunde gelaufen sein. Aber nicht in den USA! Um 6 p.m. fing das Spektakel an, Anpfiff um 7 p.m. Ein ohrenbetäubender Lärm. Direkt vor dem Anpfiff sang ein Kinderchor die Nationalhymne.

Danach in den kurzen Pausen Cheerleader, Musikparade, Werbung, Gewinnspiele für einzelne Zuschauer. Mit Gewehren werden T-Shirts und andere Souvenirs in die Ränge geschossen. Von der Decke kommen an kleinen Fallschirmen weitere Souvenirs herabgeschwebt. Die Zuschauer, vornehmlich Hispanics, kommen beladen mit Essen und Trinken zu ihren Plätzen, denn in der riesigen Arena gibt es keine "Freßkette", die nicht vertreten ist. Basketball wurde auch gespielt. Die San Antonio Spurs waren schon viermal US-Champion und stehen auch dieses Jahr wieder in den Playoffs. Bekanntester Spieler auf dem Feld:Tony Parker (Franzose). Die Lakers gewannen aber das Spiel zum Unmut der Zuschauer mit 115:101. Spielende 9:30 p.m.!!
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Anfriff der Laker
Danach live Music direkt vor der Arena. Eine 4-Mann-Band machte klasse Rockmusik, aber dermaßen laut - wir standen nur 3 m von der Bühne entfernt, daß wir es nur 20 min aushielten.Eigentlich waren wir reif für die Koje, aber Ozzy wollte mit uns zum Abschied noch ein Bier trinken. Also wieder nach Downtown in eine Texmex-Bar und zum Bier noch ein mexikanisches Essen. Um 11:15 p.m. standen wir dann vor unserem RV. Wir hatten den Eindruck, daß Ozzy der Abschied schwerer fiel als uns. So, das war's von gestern.
Heute morgen sind wir mal relativ zeitig losgekommen, wenn 9:00 a.m. zeitig ist. Heutiges Ziel: Del Rio (am Fluß) am Rio Grande, Grenzfluß zu Mexiko, wo er übrigens Rio Bravo del Norte heißt. Die Stadt gegenüber heißt Ciudad Acuña, aber die Grenze ist dicht. 250 km auf der US 90 nach Westen, zunächst durch eine üppige grüne Buschlandschaft. Um 10:00 Uhr klingelte unser Smartphone, Ozzy rief an und wollte wissen, wie es uns gehe und ob wir gut weggekommen seien. Unglaublich,dieser Kerl. Er fährt heute mit Frau und Kindern (15, 17, 19 Jahre) über Ostern nach Corpus Christi, der bekanntesten Stadt an der Küste. Corpus Christi = Fronleichnam, ein merkwürdiger Name für eine Stadt. Das wären für uns hin und zurück nochmal 240 Meilen gewesen, aber leider geben das unsere Freimeilen nicht mehr her. Schade! Die Landschaft veränderte sich von Meile zu Meile, das Grün wurde dürftiger, das Land trockener. Alle Creeks waren ausgetrocknet. Aus der Steppe wurde Wüste, Del Rio, eine Stadt in der Wüste. Auf der Straße immer mehr Border Control Fahrzeuge. Die Polizisten halten Ausschau nach Wetbacks, so nennt man die illegalen Einwanderer, die den Rio Grande durchschwimmen und deshalb einen nassen Rücken haben. Auf einem kleinen RV-Platz hinter der Stadt machten wir halt. 400m weiter war eine kleine, unscheinbare Kneipe, die nur von 5 bis 10 p.m. geöffnet hat. Wir waren erstaunt, wie viele Leute schon da waren, als wir um 7 p.m. hinkamen. Und dann noch Live Music!
Wir verdrückten ein 16 Unzen T-Bone-Steak mit vielen Beilagen. 9:00 p.m., 28C, satt und zufrieden. Die schon von Annette zubereiteten Erdbeeren schafften wir nicht mehr.
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